Wie sieht das in der Schulpraxis am Ulricianum aus?

Wie sieht das in der Schulpraxis am Ulricianum aus?

Folgende wichtige Elemente sollen die Einführung des Curriculums begleiten:

* Der fünfte Jahrgang soll mit einer Einführungswoche (oder einem Wochenende im Rahmen einer Kennenlernfahrt) beginnen. Neben der sozialen Wirkung einer solchen erfahrungsintensiven Woche soll den Schülern und Schülerinnen hier vor allem der Sinn und Zweck des Methodenlernens nahegebracht werden. Die ersten Einblicke, dass Lernen erlernbar ist, sollen so ermöglicht werden. Den Lehrkräften bietet eine Einführungswoche die Gelegenheit, den Kenntnisstand des Methodenlernens sowie die Erfahrung der Schülerinnen und Schüler mit kooperativen Unterrichtsformen zu diagnostizieren.

* Im den folgenden Jahrgängen soll zu Beginn Zeit gegeben werden, das in den vorangegangenen Jahrgängen Erlernte im Rahmen von Wiederholungen und Vertiefungen wieder aufzufrischen. Erst danach solle die Einführung neuer Methoden erfolgen.

* Die Methoden sollen lehrgangsartig eingeführt werden, d.h. dass zunächst das Erlernen einer neuen Methode im Vordergrund steht. Die Anwendung und Verzahnung im und mit dem Fachunterricht muss dann sukzessiv in der Folge geschehen.

* Die Zusammenarbeit der Kollegen soll in Klassenteams erfolgen. Der/die Klassenlehrer/-innen (möglichst Zweier- Teams in der Klassenleitung) sind verantwortlich für die Koordination der Einführung neuer Methoden. In den regelmäßigen Treffen der Klassenkollegen sollte informiert und das weitere Vorgehen abgesprochen werden .

* Bei Abgabe der Klasse informieren die Klassenlehrer-/innen die nachfolgenden Kollegen über die Arbeit am Methodencurriculum. Dabei kann sinnvollerweise auch ein Erfahrungsaustausch über die Klasse mit ihren Stärken und Schwächen erfolgen (dieses im übrigen nicht nur hinsichtlich der Methoden).

* Dabei sollen neben den gemachten Erfahrungen auch handfeste und erprobte Materialien (z.B. in einem Methodenordner als Materialsammlung) weitergegeben werden. Dies hat den Vorteil, dass im Projekt neu dazu gekommene Kollegen die Möglichkeit haben, sich in die Materie einzuarbeiten.

* Eine aktive Einbeziehung der Eltern ist wichtig. Gerade zu Beginn ist es für das Ziel, bei Schülern und Schülerinnen auf längere Sicht die Entwicklung einer individuellen Lernkompetenz zu erreichen, unerlässlich, auch die Zeit mit einzubeziehen, die sie zu Hause verbringen. Die Eltern sollten in die Lage versetzt werden, ihre Kinder auf diesem Wege partnerschaftlich zu begleiten (es geht hierbei nicht

um Kontrolle!). Jedoch sollte die Zusammenarbeit mit den Eltern weit mehr sein als die bloße Information über die Arbeit am Methodencurriculum. Die Eltern sollten über das gesamte Konzept des Methodencurriculums informiert und in einzelne Bausteine praktisch eingeführt werden, damit sie klare Vorstellungen davon entwickeln können und sich ihrerseits eingebunden und verpflichtet fühlen, an den Zielen mitzuarbeiten.

* Die Entwicklung von Lernkompetenz wird nicht erfolgreich gefördert werden, wenn wir dies nicht als wichtigen Teil des Unterrichts (auch des Fachunterrichts) verstehen. Damit zwangsläufig verbunden sind kooperative Unterrichtsformen, die den Schüler, die Schülerin ermuntern, ihre Kompetenzen selbstständig anzuwenden und zu erweitern.

Merkmale des Methodenkonzepts am Ulricianum:

method1_m

Auswirkungen auf den Unterricht

Die Einführung eines Methodencurriculums kann nicht isoliert betrachtet werden vom sonstigen Unterrichtsgeschehen.

Im Gegenteil berührt ein solches Curriculum das Verständnis von Unterricht und Schule. Wenn es das Ziel ist, den Schülerinnen und Schülern mehr Selbstständigkeit bei der Aneignung von Wissen zu vermitteln, bedeutet dies auch, ihnen im Lernprozess frühzeitig zu ermöglichen, genau diese Selbstständigkeit zu erlernen. Eine Veränderung im Rollenverständnis von Schülerinnen und Schülern sowie von Lehrerinnen und Lehrern ist damit beinahe zwangsläufig verbunden.

Schülerinnen und Schüler sollen mehr Verantwortung für ihren eigenen Lernfortschritt übernehmen . Wir können aber nicht erwarten, dass dies erfolgreich geschieht, wenn sie nicht auch schon im Unterricht teilhaben am Lernprozess. Aktive Beteiligung von Schülern heißt in diesem Zusammenhang nichts anderes, als dass den Schülerinnen und Schülern ein Mitspracherecht an den Zielen und der Durchführung des Unterrichts eingeräumt wird. Dies bedeutet, dass die Schüler gelernt haben, dies auch verantwortungsvoll zu tun und dass sie um die Bedeutung ihrer Teilnahme wissen, mithin motiviert sind (vom Lehrer motiviert werden), ihren eigenen Lernprozess voranzutreiben

Dies zieht eine allmähliche und systematische Veränderung der Lehrerrolle nach sich. Denn die oben beschriebene Verantwortung der Schülerinnen und Schüler ist mit Unterrichtsmethoden, die sich ausschließlich auf passive Aneignung des vom Lehrer (zumeist vortragsartig) präsentierten Wissens beschränken, nicht zu erreichen. In diesem Veränderungsprozess erlernen Lehrkräfte selbst erst die Möglichkeiten einer Unterrichtsgestaltung, die den Schülerinnen und Schülern mehr Verantwortung für ihr eigenes Lernen zumutet.

Dabei muss beachtet werden, dass die Lehrkräfte oftmals die Voraussetzungen für die Veränderungen ihrer Rolle im Unterricht selbst schaffen müssen.

zurück

Anforderungen an die Lehrkräfte

Folgende, zum Teil neue Anforderungen kommen auf die Lehrkräfte zu:

* Vermittlungskompetenz für die Lernmethoden

* breites Repertoire an schüleraktivierenden Arbeitsformen

* Berücksichtigung der Heterogenität der Schülerinnen und Schüler

* Sicherheit im Einsatz neuer Unterrichtsmethoden

* Beherrschen verschiedener Formen der Schülerbeobachtung

* Teamfähigkeit bei der engen Zusammenarbeit mit Kollegen, um sich bei der Methodenentwicklung untereinander abzustimmen

* Kommunikationsfähigkeit und das Beherrschen von Techniken zur Gesprächsführung, besonders auch, um den Stand der Kompetenzentwicklung bei Schülerinnen und Schülern zu erfassen und rückzumelden

* Fähigkeit, mit Misserfolgen umgehen zu können (hervorgerufen durch zu kurzfristige und dadurch überhöhte Erfolgserwartungen).

Daher halten wir schulinterne Fortbildungen für unumgänglich, um die Lehrkräfte auf diesen geänderten Anforderungsbereich möglichst sinnvoll vorzubereiten. Wir gehen davon aus, dass diese Fortbildungsveranstaltungen

* schulintern unmittelbar auf die Probleme bei der Entwicklung von Methodenkompetenz eingehen können

* auf das Profil und das Bedürfnis dieser Schule zugeschnitten sind

* schulintern mit dem gesamten Kollegium durchzuführen sind.

Ziel solcher schulinternen Fortbildungen muss sein, die Kompetenz von Lehrkräften hinsichtlich Einführung und Beherrschung von Lernmethoden, kooperativen Unterrichtsformen, Lernen in heterogenen Gruppen, Selbstevaluation von Schülern, pädagogische Diagnose u.ä. zu erweitern. Externer Sachverstand ist dabei durchaus vorgesehen. Daher sollten u.a. folgende Inhalte Bestandteil schulinterner Fortbildungen sein:

* Integration der Lernmethoden in den Fachunterricht

* Befähigung der Schülerinnen und Schüler zum kooperativen Lernen

* Befähigung der Schülerinnen und Schüler zur Selbstbeurteilung

* eingeschränkte Bewertungsmöglichkeiten von Lernmethoden

* Förderung der Diagnosekompetenz der Lehrkräfte